Mieter am Rande der NervenkriseLe Café Theatre zeigt "Ein wunderbar leichtes Mädchen"
Heilbronner Stimme, 7. April 2009
von Uwe Deecke
Rote Lockenpracht, glitzernde Leggings und ein Leopardenhandtäschchen - wer beim Anblick der
"Prinzessin" ans älteste Gewerbe der Welt denkt, liegt nicht so falsch. Doch die Arbeitszeiten
sind nicht jedermanns Geschmack. Und wirklich schwierig wird es, wenn man als Mieter darunter
wohnt und nachts kein Auge zubekommt. Das ist die pikante Ausgangssituation der Komödie "Ein
wunderbar leichtes Mädchen" von Nino Manfredi/Nino Marino, die bei Le Café Théatre im Kaffeehaus
Hagen am Sonntag Premiere hatte.
Dreiecksgeschichte Die beiden Charaktere könnten unterschiedlicher kaum sein, und
die Zeichen stehen von Beginn an auf Sturm: Die "Prinzessin", die sich nachts um vier daheim am
liebsten noch ein Bad einlässt, dazu ihr Lieblingslied "Felicia" aufdreht und am liebsten in
schnulzige Hollywoodfilme geht. Und ihr Nachbar, ein intellektueller Autor für Film und Fernsehen,
der kurz vor dem Nervenzusammenbruch, aber auch scheinbar kurz vor dem Durchbruch steht: In seiner
Dreiecksgeschichte überrascht der Ehemann seine Frau nicht mit einem anderen, sondern mit einem
Computer im Bett. Ausgefallen, zeitgemäß und erfolgsversprechend, denkt sich Professore Armando,
aber leider denkt nur er so. Es gibt also viel Zündstoff in dieser italienischen Komödie, die viel
Leichtigkeit, Wortwitz und natürlich auch Tempo in sich birgt.
Viel Pathos Cornelia Bielefeldt beherrscht auch das und spielt nach ihrer
tragikomischen "Lola Blau" diesmal die einfache, aber wirkungsvolle Verführung, ein Dirne voller
Träume vom bürgerlichen Leben zu zweit und einem Karussell, das sie sich später einmal kaufen
will.
Hanno Wingler überzeugt als ihr geistreicher Gegenspieler, der bald auf dem Boden der Tatsachen
landet und mit einigen Überraschungen konfrontiert wird. Die langsame Annäherung zwischen den
beiden vollzieht sich oft komisch, sehr wortgewaltig und mit viel Pathos, eben so wie man es in
einer italienischen Erfolgskomödie erwartet.
Situationskomik darf dabei nicht fehlen, und auch die funktioniert zwischen den beiden Figuren,
die sich hier so wunderbar und unerwartet verändern. Eigne unmögliche Liebe, die das Publikum bei
der Premiere begeisterte.
