In Gedanken bei verflossenen Liebhabern
Heilbronner Stimme, 9. März 2010
von Janine Baumanne
Anita beschreibt ihre ersten Eindrücke von einem Mann, dessen Heiratsantrag sie jetzt erwartet:
"Er war in Eau de Toilette regelrecht eingelegt und trug sein Rasierwasser wie eine
Ritterrüstung." Sie glaubt: Wenn sie Peter damals nicht gerochen hätte, wäre er ihr gar nicht
aufgefallen. Inzwischen haben sich die beiden ausgiebig beschnuppert und Anita fragt sich: Werden
wir uns auch auf lange Sicht gut riechen können? In der Komödie "Es liegt was in der Luft -
Männerduft" (Musik: Wolfgang Schubkraft) verkörpert Schauspielerin Cornelia Bielefeldt sie
selbstbewusste Karrierefrau Anita. Sie ist mit ihrem Ehemann Nicolas Kemmer, der bei "Männerduft"
für die Regie und Begleitung am Klavier zuständig ist, in die Bretzfelder Raiffeisenbank gekommen.
Vom ersten Augenblick an wird die kleine Bühne von Cornelia Bielefeldt durch ihre Präsenz
eingenommen. Aber es bleibt noch genug Platz, um einige Fragen im Raum stehen zu lassen: Ist der
jetzige Partner der Richtige? Wie gestaltet sich das Zusammenleben in einer Ehe? Wie dauerhaft
kann Liebe überhaupt sein?
Aufkeimende Zweifel Anita sieht sich als unabhängige Frau um die vierzig in
Anbetracht des bevorstehenden Heiratsantrags mit zu wenig Antworten auf zu viele Fragen
konfrontiert. In Gedanken bleibt die Fernsehautorin bei verflossenen Liebhabern und den fünf
ausgeschlagenen Heiratsanträgen hängen. Auch der bevorstehende Schwangerschaftstest stiftet
zusätzliche Verwirrung. Ihre Gefühlslagen schwanken zwischen verzweifelt und zynisch oder
unverdrossen und hoffnungsvoll. Diese Zweifel lebt Cornelia Bielefeldt auf der Bühne aus. "Schon
vom ersten Augenblick an fand ich etwas an ihm", schwärmt Anita zunächst mit sehnsüchtigem Blick
von der ersten Begegnung, um nach einer kurzen Pause trocken festzustellen: "Er war mir gleich
äußerst unsympathisch." Und überhaupt, wie könne sie mit jemanden zusammenleben, der als
Computerfachmann von seinem Rechner so zärtlich und leidenschaftlich spricht, dass man meinen
könne, er erzähle "von einer Geliebten"? Liebe sei Wahnsinn, schlussfolgert sie. "Aber Wahnsinn
allein ist noch kein Liebesbeweis."
Humor und Poesie "Uns hat bei dem Stück neben dem guten Inhalt besonders die
Kombination mit der Musik angesprochen", erzählt Nicolas Kemmer. Die Musik wurde von Bielefeldt,
die Gesang studiert hat, umgesetzt. Dabei wurden einzelne Stücke in die Handlung eingebettet. So
steckt in "Männerduft" sowohl Humor als auch Poesie.
