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Die Liebe kann Wunder bewirken

Fränkische Nachrichten, Tauberbischofsheim/Bad Mergentheim/Buchen/Walldürn/Wertheim, 26. März 2010

von Dieter Schnabel

"Auch eine Nutte kann keusch sein", verkündet eine der zwei Personen, die das Stück bestreiten. Und zum Schluss zieht die andere das Fazit der Handlung: "Die Liebe bewirkt Wunder". Und damit ist schein einiges über die Komödie "Gentil di facili costumi" von Nino Manfredi und Nino Marino gesagt, die Jörg Schnell aus dem Italienischen übersetzt hat. Unter dem Titel "Ein wunderbar leichtes Mädchen" wurde das Zwei-Personen-Stück im Heilbronner "Le Café Theatre" erstaufgeführt.

Dass sich ein Freier in eine Liebesdienerin verliebt und ihr durch seine Liebe den Weg aus dem Rotlichtmilieu in ein sogenanntes bürgerliches Leben weist und beide dann glücklich und zufrieden miteinander leben, das soll auch schon einmal im wahren Leben vorkommen. In diesem Fall ist es die Geschichte des Theaterstücks. Was dieses vor anderen Versionen dieses Stoffes auszeichnet, ist die Tatsache, dass Nino Manfredi und Nino Marino weder moralinsauer noch kitschig-süßlich, vielmehr mit Witz und Humor erzählen.

Da ist also die Prinzessin genannte Sie, die im Milieu, wegen der Farbe ihrer Perücke, "Die Rothaarige" heißt, die nacht getaner Arbeit nach Hause kommt und durch "dramatische Lautstärke" auffällt. Über ihr wohnt Er mit Namen Amando, ein Schrifsteller und Übersetzer, aus dem Altgriechischen, dessen Anstoß sie erregt. Aber nicht etwa wegen ihres Berufs, den er zunächst gar nicht kennt, denn sie gibt vor, Krankenschwester zu sein und im Schichtdienst zu arbeiten, sondern nur wegen des Lärms, den sie zu später Nachtstunde macht in der ihm den Schlaf raubt. So kommt man denn miteinander ins Gespräch. Und als er ihren wahren Beruf erfährt, macht er ihr sogar ein Kompliment, indem er behauptet: "Ihr seid das soziale Gewissen der Menschheit".

Zunächst spielt man sich noch gegenseitig etwas vor, indem er behauptet, seine Frau ermordet zu haben und sie später kontert und erzählt, sie habe mit einem Mann zusammengelebt und ihn umgebracht. Doch das ist alles im Grund nur Geplänkel. Dagegen unterhält man sich auch ernsthaft. Dabei wird nicht nur die Gretchen-Frage gestellt: "Glauben Sie an Gott?",sondern man spricht auch über Brechts Verfremdungseffekt. Und das alles wird witzig und charmant dargeboten. So unterscheidet sich diese Komödie wohltuend von der Boulevard-Dutzendware.

Ein Sofa, helle Kissen, Vorhänge und Porzellan stehen für die passende Atmosphäre. In diesem Rahmen rollt das Geschehen in etwas mehr als zwei kurzweiligen Stunden ab. Für die Inszenierung zeichnet das Ensemble verantwortlich, für die Ausstattung Cornelia Bielefeldt. Und sie ist es auch, die die Titelrolle glaubhaft und überzeugend spielt. Sie wandelt sich dann im Lauf des Geschehens zu dem "wunderbar leichten Mädchen", an dem nicht nur Hanno Wingler als Amando Gefallen findet. Er ist zunächst der eher introvertierte Schöngeist und Stubengelehrte. Nachdem ihn jedoch die Prinzessin aufgefordert hat: "Wagen Sie es einmal, weniger kompliziert zu leben", geht er sozusagen aus sich heraus und ermöglicht es schließlich, dass aus dem ungleichen Paar ein glückliches wird.