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Dem Duft des Kaffees abgelauscht

Heilbronner Stimme, 3. August 2010

von Leonore Welzin

Heilbronn Leser kennen die genaue Beobachtungsgabe und Empfindsamkeit der Stimme-Redakteurin Franziska Feinäugle. Neben journalistischen Texten hat die Autorin zwei Bücher und jüngst, im Auftrag des Heilbronner "Le Café - Théâtre", ein Stück für die Bühne verfasst. Unter dem Titel "EspressoGespräche" wurde ihr Bühnen-Erstling von Cornelia Bielefeldt, Nicolas Kemmer und dem jungen Ensemble des "Le Café - Théâtre" im Kaffeehaus Hagen uraufgeführt.
Paris und Wien sind traditionell Eckpfeiler für die inspirierende Wirkung des Mokkaduftes, wurden doch Wiener Kaffeehäuser zum Inbegriff der Kaffeehausliteratur, während das Café Frankreichs für philosophische Diskurse steht. In der geografischen Mitte liegt Heilbronn. Wie maßgeschneidert für das Kaffeehaus Hagen würdigen die "EspressoGespräche" nicht nur Cappuccino und Latte macchiato gegenüber dem Coffee to go, laut Feinäugle eine der größten Sünden der Kaffeegeschichte. Sie reflektieren den Ort als neutrale Rückzugsdomäne, um sich Klarheit zu verschaffen - über das Leben, die Liebe und das Verlassen werden. Flitterwochen rückwärts nennt das die Autorin, denn der Verwirrtheit des Verliebtseins sei jene des Verlassenwerdens vergleichbar.

Ursprünglich als Monolog für Cornelia Bielefeldt (Regie), alias die Dame an der Bar geplant, hat sie kleine Dialoge den Mitgliedern des neuen Ensembles zugeeignet. "Satellite" zwitschert die fünfzehnjährige Talea Arns und legt mit Marco Sannwald (25) zu "Hard Rock Cafe" eine flotte Sohle auf die Bühne, während sich Jean-Michel Heib (21) und Philippe Kemmer (20) als Kellner nützlich machen. Mit Hits wie "There's a whole lot of coffee in Brasil" und "Aber bitte mit Sahne" lockert Nicolas Kemmer (musikalische Leitung) als Mann am Klavier die Szenenfolge auf.
"Ich wollte nie einen Kompromiss heiraten", sagt die Protagonistin, die sich, allein und doch nicht einsam, mal die Hände am Milchgetränk wärmt, mal mit einem Piccolöchen aufheitert und dem freien Flug der Gedanken folgend, an einem Rilkegedicht hängen bleibt, über die Parabel vom zerschnittenen Kugelmenschen aus Platons "Gastmahl" sinniert oder über Hundertwassers Theorie der fünf Häute ins Universum schweift. Für die Uraufführung gibt's viel Applaus.