Seelenreisen per Briefpost
Skurrile Mutter-Sohn-Komödie feiert Premiere im Kaffeehaus Hagen
Heilbronner Stimme, 21. Mai 2012
von Dörthe Thimm
HEILBRONN Sie können nicht miteinander, und sie können nicht ohne einander. Das
Verhältnis zwischen Mutter und Sohn ist sehr speziell in der Komödie "Liebe, verhasste Mama", die
im Kaffeehaus Hagen Premiere feierte. Darin stehen eine kontrollsüchtige Mitter und ihr
verbitterter Sohn im Mittelpunkt.
Sheldon Levine (Philippe Kemmer) ist stets auf der Flucht vor seiner autoritären Mutter, die es
nicht lassen kann, ihrem geliebten Sohn ins Leben zu pfuschen. Weder ein Orts- noch ein
Namenswechsel schützen den 25-jährigen davor, von seiner Mutter aufgespürt zu werden. Ihre Briefe
erreichen Sheldon überall. Erst als Doris Levine (Cornelia Bielefeldt) auf einem
Selbstfindungstrip mit einem indischen Guru erkennt, dass sie ihrem Sohn Freiraum gewähren muss
und sich über einen Monat nicht bei ihm meldet, wird
Sheldon nervös. "Ich hasse dich. In Liebe, Sheldon", schreibt er, und es wird klar, dass er ebenso
wenig loslassen kann wie die Mutter.
Im rund zweistündigen Stück von Sam Bobrick und Julie Stein wechseln die beiden Protagonisten in
Briefdialogen die Rollen von den verzweifelten, verlassenen Geliebten. Der Wechsel ist für beide
schmerzlich und hinterlässt Spuren. Immer ist einer dem anderen voraus bei der Suche nach dem
Glück und der eigenen Identität.
Bissige Dialoge und eine glaubwürdige Umsetzung in der Regie von Nicolas Kemmer sorgen für einen
heiteren Abend mit Tiefgang. Fast wie im wahren Leben im Hause Kemmer/Bielefeldt. "Wir sticheln
uns auch gerne an", erzählt Philippe Kemmer.
