"Männerduft": Karrierefrau am Scheideweg

Heilbronner Stimme, 6. Oktober 2009

von Uwe Deecke


HEILBRONN Liebe gelingt bekanntlich nur dann, wenn man sich riechen kann. Aber gelingt sie auch zwischen einer erfolgsverwöhnten Fernsehautorin um die vierzig und einem deutlich jüngeren Computerspezialisten, der nur seine Hardware im Kopf hat? In "Männerduft" von Wolfgang Schukraft, das im Kaffeehaus Hagen nun seine Premiere hatte, kommt so einiges ganz anders als man denkt, und niemals ist man vor Überraschungen sicher.

Im Zugabteil Sie hat sich viel Zeit gelassen, diese Anita. Fünf Heiratsanträge hat sie abgelehnt, aber der, den sie heute erwartet, soll es werden. Dabei wäre ihr Peter gar nicht aufgefallen, wenn sie ihn nicht gerochen hätte, morgens im Zugabteil. Sieben Jahre ist das nun her, und heute erwartet sie ihn und seinen Antrag. Aufgeregt und zweifelnd lässt sie ihr Leben noch einmal Revue passieren und sie erinnert sich an manche gut gemeinte Ratschläge ihrer Freunde: Männer sind wie Computer - wenn man etwas von ihnen will, muss man sie vorher anmachen. Und wenn man etwas wartet, kriegt man immer das bessere Modell. Das Warten hat ein Ende, nur das Ergebnis ihres Schwangerschaftstests steht noch aus.

Viel Tempo Das Ein-Personen-Stück des Ulmer Autors und ehemaligen SDR-Redakteurs Wolfgang Schukraft nimmt sich mit viel Tempo und vielen Überraschungen der neuen Informationsgesellschaft an. Aber auch der Gefühlswelt einer dynamischen Frau um die vierzig, die es nun endlich wissen will und bereit ist, all ihre Vorurteile und Ängste über Bord zu werfen. Ein Stück wie geschaffen für Cornelia Bielefeldt, die mit viel Präsenz und Leidenschaft diese Karrierefrau zum Leben erweckt. Ihre Anita hat die Witterung aufgenommen, muss aber im Verlauf der Komödie so einige Rückschläge einstecken.

Nicolas Kemmer inszenierte das Erfolgsstück der Theaterei Herrlingen und begleitet das Ganze, auch mit eigenen Kompositionen, musikalisch am Klavier.