Einblicke in Anitas Gefühlswelt

Überlegungen einer Frau: "Männerduft" in Heilbronn

Fränkische Nachrichten, 22. Dezember 2010

von Dieter Schnabel


"Männerduft" heißt die Komödie mit Musik des 60-jährigen ehemaligen Rundfunkredakteurs Wolfgang Schukraft. In dem von Nicolas Kemmer, dem Chef der Schauspielmusik am Theater Heilbronn, geleiteten Le-Café-Théâtre Heilbronn fand die Erstaufführung des Ein-Personen-Stücks statt, bei der der Luxemburger selbst Regie führte und die musikalische Leitung in der von Cornelia Bielefeldt ausgestatteten Vorstellung hat, die ihrerseits die einzige Rolle spielt.
Anita ist nicht mehr ganz jung, eine Frau in den sogenannten besten Jahren. Sie ist ledig, ihr derzeitiger Freund heißt Peter und ist nicht ihr erster - aber vielleicht ihr letzter. Er ist auch nicht der erste, von dem sie einen Heiratsantrag erwartet, fünf hat sie schon abgelehnt. Wie soll sie sich diesmal verhalten?
Die Überlegungen einer Frau, angesichts der Möglichkeit einer Heirat, das ist das Thema der rund zwei Stunden dauernden Aufführung. Es gibt nur eine Rolle, nämlich die der Anita. In ihren Gedanken geht es ganz allgemein um das Verhältnis zwischen Mann und Frau, im Besonderen aber um Anitas Vergangenheit und um die Erfahrungen, die sie bisher mit Männern gemacht hat. Die Lieder von Markus Munzer-Dorn und (zwei) von Nicolas Kemmer illustrieren die Überlegungen - etwa nach dem Motto: "Ich habe deine Witterung aufgenommen, es liegt was in der Luft: 'Männerduft'", sozusagen der Titelsong.
"Er kocht, ich koche nie.", sagt Anita. "Ich liebe Peter, ich möchte bei ihm sein", bekennt sie. Doch sie stellt sich auch die Frage, wie man mit seinen unterschiedlichen Eigenschaften fertig wird, wenn man Tag und Nacht zusammen ist. Und in einem Alter, in dem man schon einiges hinter sich hat, muss man sich auch entscheiden, ob man zusammen eine neue Wohnung nimmt oder ob er zu ihr oder sie zu ihm zieht - und was fängt man dann mit dem an, was nicht hineinpasst. Fragen über Fragen, die banal zu sein scheinen, wenn man sich nur liebt, die aber beantwortet werden müssen, bevor man den entscheidenden Schritt tut.
Ein Sofa in der Mitte, ein Anrufbeantworter dahinter, dazu Plakate und Fotos, nicht zu vergessen, verschiedene Kostüme auf einer Stange und Luftballons daneben, das ist Anitas Umfeld. Am Flügel davor sitzt Nicolas Kemmer, der nicht nur das Monodrama abwechslungsreich in Szene gesetzt hat, sondern der auch einfühlsam begleitet.
Cornelia Bielefeldt ist die Anita, die nicht nur die Kleider wechselt, sondern auch ihre Stimmung, sozusagen "himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt". Mit großen Nuancenreichtum breitet sie Anitas Gefühlswelt vor einem aus. Dabei zeigt sie nicht nur eine gute Wandlungsfähigkeit als Schauspielerin, sie präsentiert auch die ins Spiel integrierten Lieder mit einem biegsam-expressiven Mezzosopran. Wozu wird sie sich am Ende entschließen, für wen und für was wird sie sich entscheiden?




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