Bittersüße Komödie
Erstaufführung: Stück von Wolfgang Schukraft
Fränkische Nachrichten, 9. März 2011
von Dieter Schnabel
Eine "bittersüße Komödie" nennt Wolfgang Schukraft, der Direktor der Theaterei Herrlingen, sein Ein-Personen-Stück "Silberhochzeit", das im Le Café-Théâtre in Heilbronn erstaufgeführt wurde. Unter der Regie von Nicolas Kemmer, künstlerischen Leiter der Privatbühne im Kaffeehaus Hagen, spielt Cornelia Bielefeldt, die Frau, die sich erinnert und nach einem Vierteljahrhundert Bilanz zieht.
"Ich sage die Hochzeit ab, die Hochzeit unseres Sohnes, die Silberhochzeit", das sind die ersten Worte, die man hört, gesprochen aus dem Off, von dem Mann, der nie auftritt, der aber ebenso im Mittelpunkt des Geschehens steht wie die Frau, die das Geschehen auf der Bühne allein bestreitet, die keine Liebe bekommen hat, die deshalb gehen will und die zum Schluss bekennt, dass sie ihren Mann noch immer liebt - und die deshalb vielleicht doch bleibt.
Wenn eben vom Geschehen die Rede war, so ist das eigentlich zu hoch gegriffen. Denn in Wirklichkeit passiert in den knapp zwei Stunden im Grund kaum etwas. Vielmehr wird von der Frau Geschehenes erzählt. Und das ist ihre Geschichte vom Kommunardenliebchen zur gnädigen Frau des Hauses, ihr Aufstieg von der Tochter einer Putzfrau zur Ehefrau eines gut situierten Mannes aus einer alten, wohlhabenden Familie. "Der Mann, den ich vor 25 Jahren geheiratet habe, ist seit über 20 Jahren tot."
Was ihr geblieben ist, das sind ihre Schallplatten und ihre Kleider. Von den einen legt sie verschiedene im Lauf der Vorstellung auf, die anderen wechselt sie - und damit illustriert sie ihre Geschichte.
"Ehen sind zum Scheitern verurteilt, weil Mann und Frau verschiedenen Welten angehören", heißt es einmal in "Silberhochzeit". Für diese Behauptung soll diese Komödie als Beweis dienen. Ob das ganz allgemein gilt, darüber kann man gewiss streiten. Keine Zweifel gibt es jedoch an der Qualität des Monologs. Denn Wolfgang Schukraft hat nicht nur eine interessante Geschichte geschrieben, sondern dazu eine Rolle für eine wandlungsfähige Charakterschauspielerin geschaffen hat.
Diese Chance, sich durch die sprachliche, aber auch darstellerische Differenzierung der Frau zu profilieren, lässt sich Cornelia Bielefeldt nicht entgehen.
Sie macht die gesamte Breite und Tiefe der Gefühlswelt dieser Frau, ihre Hoffnungen, Sehnsüchte, Wünsche und Enttäuschungen, transparent. So ist denn diese Vorstellung in Bezug auf den Text hörens- und hinsichtlich dessen schauspielerischer Interpretation sehenswert.
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