Abrechnung einer verbitterten Frau

Heilbronner Stimme, 7. November 2011

von Uwe Deecke


HEILBRONN Es sind intime, bewegende und auch unterhaltsame Erinnerungen einer Frau. Eine spannende Abrechnung mit gleich mehreren Männern, die in Maries Leben eine Rolle spielten. Diese Abrechnung lässt sie nun von einem Kameramann filmen. Das Café-Théâtre bringt Bodo Kirchhoffs Text "Mein letzter Film" erstmals als Theaterstück auf die Bühne: ein gelungener 80-minütiger Kraftakt von Cornelia Bielefeldt.

Cornelia Bielefeldt in der Rolle als Marie.

"Wir altern, aber die Wünsche altern nicht mit", ist so ein Satz, der hängen bleibt in diesem außergewöhnlichen Stück. "Jetzt ist, wenn es weh tut" ein anderer. Jetzt rechnet sie ab mit ihren Männern, vor laufender Kamera in einer Glanzrolle. Und was hatte sie nicht alles für Männer?

Verlorene Wahl Thomas, den Fußballtrainer, der beim Auswärtsspiel in Rom gleich die komplette Abwehr mit ins Hotelzimmer brachte. Sie reiste zu jedem seiner Spiele mit und freute sich, wenn er mit seiner Mannschaft hinten lag und sich aufregte. Oder Paul, den Familienvater und Politiker: Immer wenn er mal Gefühle zeigte, verlor er eine Wahl.

Sie ist auch durchaus komisch, diese Filmvorlage, die Hannelore Elsner im Jahr 2003 den Deutschen Filmpreis einbrachte. Und sie bietet eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die diese Marie vor laufender Kamera durchlebt. Zwischen Liebe, enttäuschter Eitelkeit und Rachegelüsten schwankt Marie bei ihrem Entdecker und Regisseur Richard. Und großer Trauer, denn sie schildert nochmals, wie nach drei Tagen das gemeinsame Kind in ihren Armen starb. Marie hat sich aufgeopfert und Richard groß gemacht als Hauptfigur in einem Serienerfolg - und wurde für eine jüngere aussortiert. Das schreit nach Rache.

Einpersonenstück "Liebe ist die einzig positive Katastrophe im Leben", stellt Marie vor der Kamera fest und wirft ihrem Richard entgegen: "Männer spüren überhaupt nichts, glauben aber alles zu wissen". Das sitzt. Cornelia Bielefeldt spielt diese Diva glänzend und bewältigt die Herausforderung eines Einpersonenstücks mit Bravour. Autor Bodo Kirchhoff sitzt im Publikum und ist ebenso begeistert wie das restliche Premierenpublikum und plant mit ihr und Regisseur Nicolas Kemmer bereits ein neues Stück. Man darf gespannt sein.

"Mein letzter Film" im Kaffeehaus Hagen am 18. und 26. November 2011, 4. und 16. Dezember 2011. Karten und weitere Informationen.